0 Tall Munbaqa/Ekalte (Mumbaqat)

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Mumbaqat
Tall Munbaqa
/ Ekalte



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Tall Munbaqa / Ekalte (Mumbaqat)

von Alfred Werner Maurer



Eine 5000 Jahre alte Stadtanlage in Nordsyrien am östlichen Euphratufer über dem Steilhang des einstigen Flusstales gelegen. Ein bedeutender Fürstensitz (Stadtstaat) des 3. und 2. Jahrtausend v. Chr.

Inhaltverzeichnis
1. Geographische Lage
2. Wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Nordsyriens
3. Geschichte der Erforschung des Tall Munbaqa / Ekalte (Mumbaqat)
4. Besiedlungsgeschichte der Stadt
5. Stratigraphie / Datierung der Besiedlungsschichten
6. Auserwählte Funde
7. Literatur
8. Index
9. Dokumentation / Abbildungsverzeichnis

1. Geographische Lage

Eine der großen Ruinen am oberen Flusslauf des Euphrat in Nordsyrien. Durch die Errichtung der Talsperre bei Tabqa zum Aufstauen des Flusses (Assad-Stausee) ist die Stadtruine heute geflutet.

2. Wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Nordsyriens

Der Euphrat war eine der "Landstraßen", die Asien mit dem Mittelmeer verbanden. Der Verlauf einer der wichtigsten Handelsstrassen zwischen den sumerischen und später babylonischen Machtzentren und den syrischen Küstenstätten und der unmittelbare Zugang zum schiffbaren Hauptfluss können als eine der Grundmotive für diese Stadtgründung angesehen werden. Der Handel war Antrieb zum Städtebau. Stadtmacht und Stadtzerstörung kennzeichnen das Urbanisationsfieber des 3. und 2. Jt. vor Chr. In Nordsyrien, wo der Fluss aus dem armenischen Hochland nach Südosten abbiegt, 200 km vom nahe liegenden Mittelmeer lagen wichtige Handelsplätze. Von dort verläuft die Strasse über das nordsyrische Plateau nach Aleppo. Schon ab dem 4. Jt. v. Ch. sind hier sumerische Handelsstätte nachweisbar, Im 3. Jt. dem Höhepunkt der kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung entstanden Fürstensitze nach dem Vorbild sumerischen Städte. Das altsyrische Reich reichte sich im 2. Jt. v. Ch. bis an den Euphratbogen Der Mitannistaat der Hurriter beherrschte wenige Jahrhunderte darauf den Nord-Osten Syriens mit dem Euphrattal. Im 14. Jhd. v. Chr. beherrschten die Hethiter Nordsyrien und der Euphrat bildete die Grenze zwischen dem assyrischen Gebiet und dem hethitischen Großreich. Um 1200 v. Chr. besiedelten die Aramäer am Euphrat. Diese wechselvolle Geschichte erschließt sich aus den zahlreichen Ruinenhügeln entlang des 90 km langen Stausees. Einer der größten ausgegrabenen Ruinen dieser alten Kulturlandschaft ist Tall Munbaqa / Ekalte (Mumbaqat).

3. Geschichte der Erforschung des Tall Munbaqa / Ekalte (Mumbaqat).

Die 400 m x 500 m große rechteckige, einst stark befestigte Stadtruine, wurde 1964 anlässlich der Bereisung des geplanten Stauseegebietes entdeckt und bis zur ihrer Überflutung erforscht. 1968 beantragte die Deutsche Orientgesellschaft die Ausgrabungserlaubnis des Ruinenhügels. 1969-1970 wurde von E. Heinrich (Universität Berlin) die Vermessung der oberirdisch sichtbaren Baureste und 1971 mit der Freilegung dieser begonnen. Die Ausgrabung wurde 1973 und 1974 von W. Orthmann und 1977 von A. W. Maurer (Universität Saarbrücken) geleitet und ab 1979 von D. Machule weitergeführt. An den Grabungskampagnen 1973, 1974 und 1977 waren bis zu 16 Wissenschaftler und bis zu 90 einheimische Arbeiter an den Ausgrabungsarbeiten beteiligt.

4. Besiedlungsgeschichte der Stadt

Der Siedlungshügel liegt direkt am linken Euphratufer und ist von einer gewaltigen Wallanlage umgeben, welche zum Fluss hin einen Steilhang bildet und nach Osten zum Land hin flacher wird. Die natürliche Topographie des Flusstales, und der angrenzende Hügel bestimmt die Form der Stadtanlage. Zunächst bestand nur die mit einem gewaltigen Befestigungsring umgebene Innenstadt, die in mittelsyrischer Zeit (um 1600-1400 v. Chr.) durch eine zum Land gelegene Vorstadt nach Osten erweitert wurde. Die ehemals östliche Umwallung der Innenstadt trennt nun diese von der Stadterweiterung. Die Fortifikation wurde in dieser Zeit erweitert und durch eine im Nordhang der Umwallung errichtete Toranlage aus luftgetrockneten Lehmziegeln mit zwei mächtigen Türmen gesichert. Das spätere Verschließen des Tores mit vorgesetzten gewaltigen Kalksteinblöcken schützte dieses vor der Zerstörung. Dieser Besiedlungsschicht gehört auch das Südwest-Tor an. Die Vorstadt wurde nach Südwest über ein weiteres Torgebäude (Südwest-Tor) angedient. Der östliche innerstädtische Wall weist zum südöstlichen Teil der Vorstadt nahe dem Südwest-Tor eine Einsenkung auf die darauf schließen lässt, dass hier ein Zugang zur Innenstadt bestanden hat. In dem jüngeren Abschnitt der Mittelsyrischen Zeit wurden die Stadtmauern teilweise erneuert und verstärkt.

Außerhalb der Befestigungsanlage im Bereich der Uferzone wurde ein gut erhaltener Töpferofen aus Lehmziegel mit Lochtenne und Kuppel ausgegraben. Etwa 250 m südlich der Stadt wurden eine Reihe von Grabkammern entdeckt die in die zweite Hälfte des 3. Jt. v. Chr. datiert sind.

Die am Nordwestrand des Ruinenhügels zum Euphrat in der Innenstadt gelegenen Heiligtümer, der Tempel I mit Nebengebäuden und Tempel II sind der Altsyrischen Periode (etwa 2000 - 1600 v. Chr.) zuzuordnen. Die beiden Kultbauten dienten der Verehrung der beiden Hauptgottheiten.
Der Nordwestlich gelegene Tempel I hat die Außenabmessungen von 12,60 x 26,80 m und 2,70 m dicke Steinmauern aus unbehauenen Steinen gesetzt.
Die Einteilung des Grundrisses bestand aus dem Gemach der Gottheit, die Cella einem länglich-viereckiger Raum mit einer Vorhalle, die sich mit zwei Säulen zwischen zwei Anten (lat. Antae) nach Osten öffnet *1. Der Innenraum dieses Steinbaues wurden 1973 die Bauschichten 4 bis zum Fußboden 4c freigelegt, 1974 fand man darunter die älteste zu den Mauern gehörende Begehungsschicht (4d). Diese älteste Siedlungsschicht, ein kleines Heiligtum, eine Tempelcella aus Lehmziegeln unterhalb des nördlichen Tempel I gehört der Frühsyrischen Periode (etwa 2600 - 2100 v. Chr.) an. Nördlich des Tempels fanden sich die Reste eines Steingebäudes. 2,00 m Vor der nördlichen Längswand des Tempels im Abstand von 2,00 m wurde ein Steingebäude freigelegt. Ein langrechteckiger Raum von 8 x 5 m (jüngste Phase Schicht 2a). Der Zugang zum Raum befindet sich auf der östlichen Schmalseite. In diesem Bereich wurden 13 Tonmodelle von Lebern gefunden, die für Weissagungen vom Priester verwendet wurden. In ihrer unmittelbare Nähe wurden drei Bruchstücke verschiedener Tontafeln mit Keilschrift entdeckt. Nördlich von diesem Gebäude durch eine schmale Gasse getrennt wurde ein Steinhaus mit einem Raum und einem Hof freigelegt.

Der größere Tempel II hat die Außenmaße von 33,75 x 15,00 m und 3,00 m dicke Steinmauern. Man betrat die Tempel von Osten über eine nach Osten offene Vorhalle, welche durch die Anten) der Längsmauer und von zwei Säulen gestützt wurde. Von der Vorhalle stieg man über eine 2 m breite steinerne Treppenanlage in den östlichen Teil des Hauptraumes und von dort über eine zweite Treppe in das mit Altar und Bänken ausgestattete Allerheiligste.

5. Stratigraphie / Datierung der Besiedlungsschichten

Die aus übereinandergeschichteten antiken Ruinen bzw. übereinander angehäuftem Trümmerschutt in den Grabungskampagnen 1973-1977 aufgefundene Hauptbe-siedlungsschichten dieses Fürstensitzes des 2. Jahrtausend v. Chr. gliedern sich wie folgt:

Mumbaqat IV:
Frühsyrische Periode (etwa 2600/2100 v. Chr.) Siedlungsschicht des ältesten Heiligtums (Kleiner Tempel der Schicht 4c datiert auf 2500/ 2300 v. Ch.) im Bereich inner- und unterhalb des großen Tempels I, Die rechteckige Tempelcella mit den Innen Abmessungen des Raumes von 3,50 x 5,00 m bestand aus 1m dicken verputzten Lehmziegelmauern. Den Raum betrat man von Osten über eine einflügelige Tür. Zum Aufstellen von Opfergaben befanden sich vor der Westwand flache Lehmziegelbänke und in der Mitte ein stufenförmig zum Raum hin abgestufter Altarblock. Im Altarblock eingemauert ein Gründungsopfer bestehend aus Fritteperlen. Schichten aus dieser Zeit wurden auch auf der Kuppe im Zentrum des Grabungshügels und unter dem Tempel II entdeckt. Ein freigelegtes Kammergrab nördlich der Stadt (sog. Nordgrab) ergänzt den Siedlungsbefund und gibt Auskunft über die Bestattungssitten der antiken Bevölkerung in dieser Zeit.

Mumbaqat III:
Altsyrische Zeit ( etwa 2000/1600 v. Chr.): Siedlungsschicht der Vorläuferbauten von den Heiligtümern Tempel I und Tempel II und die inneren Stadtbefestigung. Nordost-Tor zur Vorstadt aus Lehmziegelkonstruktion mit Wehrgang und Vorhof flankiert von zwei Bastionen bzw. Ecktürme am Fuße des Innenstadtwalls gelegen. Errichtung und Besiedlung der Vorstadt ca. 1600 v. Chr. Südwestlicher Zugang zur Vorstadt bestehend aus Gebäude mit großer Halle und Feuerstelle und drei angebauten Nebenräumen und Vorraum zusammen mit der Befestigungsmauer errichtet.

Mumbaqat II:
Mittelsyrische Periode (etwa 1600-1200 v. Chr.): Anlage der Vorstadt mit äußerer Fortifikation. Erneuerung und Ausbau der Heiligtümer Tempel I und Tempel II. Bestattung der Toten in Kammergräbern ( sog. Südgrab) außerhalb der Stadt.

Mumbaqat I:
Römisch-byzantinische Tumuli und Kammergräber innerhalb der Stadt

6. Auserwählte Funde

Torso einer Statue aus Kalkstein, Tempel I, Schicht 3, altsyrisch, 1. Hälfte des 2. Jt. v. Chr.; Tonmodel für Terrakottarelief "Nackte Göttin" Nordost-Tor, Schicht 4/5, mittelsyrisch, um 1600/1200 v. Chr.; Tontafelfragmente mit Keilschrifttexten, neben Tempel I, schicht 2, mittelsyrisch, um 1400/1200 v. Chr.; Modelle von Schafslebern aus Ton, neben Tempel II, Schicht 2, mittelsyrisch, um 1400/1200 v. Chr., Fragment Terrakottarelief "männlicher Krieger", Südwest-Tor, Schicht3, mittelsyrisch, um 1400/1200 v. Chr.; Terrakottafigur eines Rindes, aus dem Südgrab, mittelsyrisch, um 1600/1200 v. Chr.; Gefäßscherbe mit Siegelabrollung Tempel I, Schicht 2, frühsyrisch, Mitte des 3. Jt. v. Chr.; Ägyptischer Skarabäus sog. 'nr'-Typus aus Fayence, aus dem Südgrab, nach H. Stock in die jüngere Hyksoszeit um 1600 v. Ch. Datiert.

7. Ausgewählte Literatur

W. Orthmann, Der Alte Orient, Propyläen Kunstgeschichte, Bd. 14 (1974), 475;
W. Orthmann/H. Kühne, Mumbaqat 1973, Vorläufiger Bericht über die von der Deutschen Orient-Gesellschaft mit Mitteln der Stiftung Volkswagenwerk unternommenen Ausgrabungen, (1974) 53-97;                                                                 W. Orthmann, Mumbaqat 1974. Vorläufiger Bericht über die von der Deutschen Orient-Gesellschaft mit Mitteln der Stiftung Volkswagenwerk unternommenen Ausgrabungen, MDOG 108(1976) 25-44;                                                                                   W. Mayer, Tall Munbaqa - Ekalte II. Die Texte, DOG 102, Saarbrücken 2001;                                                                     Boese / W. Orthmann, Mumbaqat. Eine 5000 Jahre alte Stadt am Euphrat, Saarbrücken 1976;                                                                               A. Maurer, Ausgrabungen 1977 in Mumbaqat am Syrischen Euphrat, Vortrag am 17.03.1978 in Berlin Schloß Charlottenburg ;                                                P. Werner, Tall Munbaqa - Bronzezeit in Syrien. Katalog zur Wanderausstellung, Neumünster 1998;
C. Szymanski, Streß in der Steppe Saar-Team bei Ausgrabungen in Syrien, in: SZ am Wochende,  Nr. 31 1977,  Reportage, Seite3                                                                                 C. Szymanski, Die Wüstenküche war keine wüste Küche Saarländisches Forscherteam grub 50 Tage lang in Syrien in: SZ am Wochende,  Nr. 17 1978, Reportage, Seite 3                                                       A. Maurer, Ausgrabungen 1977 in Mumbaqat am Syrischen Euphrat, Vortrag am 17.03.1978 in Berlin Schloß Charlottenburg                                                               A. Maurer, Ausgrabungen 1977 in Mumbaqat am Syrischen Euphrat, Vorbericht Philologus Verlag, Basel 1982                                                                     E. Kretz, Ein Töpferofen mit Lochtenne und Kuppel in Mumbaqat, in: Festschrift für Martin Graßnick, ed. Fachbereich Architektur / Raum- und Umweltplanung / Bauingenieur-wesen der Universität Kaiserslautern, 1987, 267-270.


8. Index

*1 Anten (lat. Antae) an Tempeln die vorgezogenen pfeilerartigen Wandstirnen, zwischen denen die vorderen Säulen stehen. Diese Seitenwände umschlossen den Vorraum zum Tempel (Pronaos).

9. Dokumentation

Abb. 1 Mumbaqat Syrien, Ausschnitt Vorderer Orient.
Abb. 2 Mumbaqat Syrien, Grabungssituation 1977 Befestigungsanlage Fluss mit Töpferofen.
Abb. 3 Nordost-Tor der Schicht 5, isometrische Rekonstruktion mittelsyrisch, um 1600/1400 v. Chr.
Abb. 4 Kleiner Tempel der schicht 4c von Osten, isometrische Rekonstruktion, frühsyrisch, um 25007 2300 v. Chr.
Abb. 5 Tempel II, Schicht 3, von westen, Isometrische Rekonstruktion, mittelsyrisch, um 1400/1300 v. Chr.
Abb. 6 Tempel II, Schicht 2/3, Ansicht von Westen.
Abb. 7 Nordost-Tor, Schicht 475, Ansicht von Nordosten.
Abb. 8 Nordgrab, ansicht von Osten.
Abb. 9 Terrakottafigur eines Rindes, Südgrab, mittelsyrisch,um 160071200 v. Chr. L. 15 cm.
Abb. 10 Torso einer Statue aus Kalkstein, Tempel I, Schicht 3, altsyrisch, 1. Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. Erhaltene Höhe 94 cm.
Abb. 11 Tonmodel für ein Terrakottarelief Nordost-Tor, Schicht 4/5, mittelsyrisch, um 1600/1200 v. Chr.
Abb. 12 Modelle von Schafslebern aus Ton, neben Tempel I, schicht2, mittelsyrisch, um 1400/1200 v. Chr., Grüößte Breite zwischen 6 und 10 cm.
Abb. 13 Tontafelfragmente mit Keilschrifttexten neben Tempel I, Schicht 2, mittelsyrisch, um 1400/1200 v. Chr. erhaltene Länge des größten Fragments 8,2 cm.
Abb. 14 Fragment eines Terrakottarelief, Südwest-Tor, Schicht 3, mittelsyrisch, um 1400/1200 v. chr.; erhaltene Höhe 6,9 cm.
Abb. 15 Gefäßscherbe mit Siegelabrollung Tempel I, Schicht 2, frühsyrisch, Mitte des 3. Jt. v. Chr., H. 6 cm.


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